Sonntag, 18. September 2016

7. Bericht: Auf nach Bachant!

Bericht von Sascha:

16.09.
Der unbarmherzige Weckton des Handys durchschnitt das Morgengrauen der
Berufsschule wie ein Messer und setzte den sanften Träumen der
SchülerInnen ein rabiates Ende. Die Jungs rutschten einen Meter tiefer
in ihren Schlafsack und hofften, Opfer eines Albtraumes zu sein. Doch um
7 Uhr hatte auch die snooze-Phase schließlich ihr Maximum erreicht,
keine gnädige Betreuerhand gewährte einen weiteren Aufschub und unter
verachtendem Ächzen und Stöhnen sahen alle dem unausweichlichen
entgegen: Zeit aufzustehen. Zum Frühstück gab es Waffeln aus dem Automat
und Handyspiele. Mit der Zeit minimierten sich die Klamottenberge und
Essensreste und Punkt 10 Uhr saß die gesamte Gruppe gesattelt und mit
geputzter Nase auf ihren Drahteseln.

Da wir beschlossen hatten, den
Einkauf während der Mittagspause zu erledigen, rollten die Räder flott
Richtung Fluss in den ersten gold-grauen Herbsttag unserer Reise. Es war
frisch geworden und die ein oder andere Jacke wurde bereits angezogen,
die Zeit des Schwitzens war wohl endgültig vorüber. Der Radweg
schlängelte sich von Thuin aus an der schönen Sambre entlang, die nun
endlich ihre natürliche Romantik entfalten konnte und nicht von
abgrundtief-industriellen Endzeitkulissen verstümmelt wurde (wie kurz
zuvor in Charleroi).

Die erste längere Pause musste eingelegt werden,
nachdem Armins unkaputtbarer Reifen kaputtgegangen war. Viele Hände
flickten den Reifen in Windeseile und schon konnte es weitergehen.

Die Grenze passierten die Reisenden beinahe so unspektakulär wie die
vorherigen zwei. Nur das Schild mit der Ankündigung: Paris 250 km
deutete darauf hin, dass wir nun endlich französischen Boden erreicht
hatten (das vorerst letzte Schild dieser Art für den Rest des Tages).
Schließlich erreichten wir Maubeuge, das Mittagsziel und Opfer unseres
Einkaufwahns, der das Essen für die kommenden drei Tage beschaffen
musste. Ein Spar, der in etwa die Größe eines Tankstellenhäuschens
einnahm, wurde geplündert und bis zum letzten Nutellaglas ausgenommen.
Der Mittagssnack wurde anschließend auf einer schönen Wiese am Fluss
eingenommen.

Leider war seit der französischen Grenze auch die
Industrialisierung zurückgekehrt und drängte uns kurz hinter Maubeuge
von unserem unkomplizierten Weg ab. Die Franzosen hielten es wohl auch
nicht für nötig, den sportlich Aktiven eine Umleitung zu bieten und so
mussten wir unseren Weg an der Landstraße entlang suchen - laut,
stressig, stinkend und das schlimmste: Berge. Eher gesagt: Gebirge!
Gesteinsmassen taten sich vor uns auf, die mit unseren tonnenschweren
Gefährten zu bezwingen es galt. Der Weg war hart und knochig, doch auch
diese Herausforderung wurde mit Bravour gemeistert und so landeten wir
schließlich im Örtchen Bachant.

Auf einem kleinen Plätzchen bildeten wir
die Base für die Unterkunftssuche und die Suchtrupps wurden ausgesandt.
Währenddessen versammelte sich Bachants Dorfjugend mit Mountainbike und
Dackel und begutachteten die Attraktion. Das Rathaus höchstpersönlich
organisierte uns daraufhin eine knackige Wiese neben dem Sportplatz,
welche mit lautem Rülpsen und in Begleitung der Dorfjugend in Beschlag
genommen wurde. Mal schauen was der Abend noch bringt, hoffentlich
keinen Regen.

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